Mein erster Arbeitstag

Veröffentlicht von Jan van den Hurk am

Nach einer etwas kurzen Nacht (verdammter Jetlag) hatte ich am Montag meinen ersten Arbeitstag. Nach dem Frühstück in der Wohnheimskantine wurde ich um 8:20 Uhr von Xiao abgeholt und zum Firmengelände begleitet. Ein chinesischer Stipendiant war ebenfalls mit von der Partie. Zur Feier des Tages habe ich mich dann auch mal schick in Schale geschmissen, aber schon nach einer Viertelstunde wurde mir klar, dass ich mit Jackett an diesem Tag nicht lange überleben würde. Also raus aus dem Dingen und nur im kurzärmeligen Hemd war es dann einigermaßen auszuhalten.
Das Firmengelände ist massiv gegen Werksspionage gesichert. Am Ausgang kommt nicht nur die übliche Zugangskarte zum Einsatz, sondern auch ein Metalldetektor und eine Röntgenmaschine für die Tasche. Weiterhin sind alle externe Speichermedien (USB-Stick, CDs, externe Festplatten, …) auf dem Werksgelände verboten und auch das Handy kommt um eine Behandlung nicht drumherum. Hier werden Kamera und eventuelle Speicherkarten abgeklebt.
Zuerst ging es zu einer kleinen Ausstellung, wo die Geschichte und die Produkte von Samsung Electronics vorgestellt werden. Xiao erzählt meinem chinesischen Kollegen und mir in einer professionellen Präsentation von Glanz und Glorie des Unternehmens und ich freue mich über diese Selbstbeweihräucherung. Anschließend machen wir noch einen kleinen Abstecher zu einer Produktionslinie, aber wir bleiben nur außen vor den Besucherfenstern stehen. Naja, vielleicht kommt das dann ja bei meiner Abteilung noch. Gegen 11:00 Uhr nimmt mich ein Mitarbeiter aus meinem Team in Empfang und ich werde per Bus zu unserem Büro verfrachtet.
Das Team arbeitet in einem Großraumbüro mit vielen Trennwänden, aber trotz der vielen Menschen ist es erstaunlich ruhig und man kann konzentriert arbeiten. Nur die ewig daherschluffenden Koreaner mit den viel zu großen Schuhen wecken manchmal fast den eingebrannten Erziehungstrieb. „Da gehen die Schuhe von kaputt!“
Bei meiner Ankunft im Büro werde ich sehr freundlich empfangen und direkt allen Mitgliedern vorgestellt. Mein Betreuer ist Dr. Junkyu Yang und ich erhalte einen Arbeitsplatz direkt neben ihm. Der Altersschnitt im Team dürfte zwischen 30 und 40 liegen (was man den Leuten hier nicht ansieht) und bis auf einen haben hier alle promoviert. Das hat auch einen guten Grund. Da in Korea auch Ingenieurmangel herrscht und die Reputation im Vergleich zu Deutschland auch nicht sonderlich herausragend ist, wird Doktoranden der Militärdienst zu einem großen Teil erlassen. Anstatt 2 Jahre geht es nur 4 Wochen in den Matsch. Wenn das mal kein Angebot ist.
Mit mir fängt noch ein zweiter Kollege beim Nachbarteam an und wir dürfen daher auf Firmenkosten im Firmenrestaurant essen gehen. Es gibt eine Art Mandu Suppe – lecker! Am Ende des Mahls dürfen der andere neue Kollege und ich uns noch kurz vorstellen und es gibt nach meiner kurzen englischen Rede einen spontanen Applaus. Ob dich mich überhaupt verstanden haben? Egal. Nach dem Essen bekomme ich meinen brandneuen Rechner und ich beginne mit der Installation der Software. Meine Kollegen beantragen derweil meinen email Zugang.
Am Nachmittag folgen noch ein längeres Gespräch mit unserem Teamleiter und ein Kurzbesuch beim Vizepräsidenten Han und schon ist es 18 Uhr, wo wir gemeinsam zum Abendessen gehen. Danach ist Feierabend!


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