Heiraten in Korea

Veröffentlicht von Jan van den Hurk am

IMGP4605.JPGAuch in Korea wird geheiratet. Dabei gibt es mittlerweile zwei verschiedene Zeremonien, die bei den heiratswilligen jungen Menschen etabliert sind. Entweder eine traditionelle koreanische Hochzeit mit einem speziellen festgelegten Ritus oder eine Hochzeit nach westlichem Vorbild oder eine Mischung aus beidem.
Im Juli hatte ich die Gelegenheit der Hochzeit von einem Studienkollegen meines Betreuers beizuwohnen. Das Brautpaar hatte sich für eine westliche Zeremonie entschieden und so trug die Braut ein üppiges weißes Brautkleid und der Bräutigam einen schwarzen Frack. Wie allgemein üblich fand die Hochzeit in einer so genannten ‚Wedding Hall‘ (Hochzeits-Saal) statt, wo es meist mehrere ziemlich kitschig gestaltete Räume für die eigentliche Zeremonie gibt. Für das anschließende Essen gibt es dann einen separaten Raum im gleichen Gebäude. Die Gäste erscheinen zu meist in feierlicher Kleidung, was heutzutage wohl Anzug und Kleid nach westlichem Vorbild heißt. Aber ein paar Frauen tragen auch noch den traditionellen Hanbok.
Der-schönste-Tag-im-Leben beginnt mit einer ausgiebigen Fotosession. Nahe Verwandte und gute Freunde werden mit dem Brautpaar vor eine Fotowand gezerrt und abgelichtet. Insgesamt ist die Dokumentation dieses Ereignisses sehr wichtig. Auch während der Zeremonie schwirren ständig ein Fotograf und zwei Männer mit Videokameras durch den Saal und halten das Ereignis fest. Eine ziemlich unruhige Angelegenheit. Auch die versammelte Hochzeitsgemeinde ist nach westlichen Maßstäben nicht gerade in der feierlichsten Stimmung. Es herrscht ein Kommen und Gehen, es wird munter mit dem Nachbarn gequatscht und die Atmosphäre ähnelt eher einer Tombola denn einer Hochzeit. Keine Spur von der bei uns üblichen Ernsthaftigkeit oder der konzentrierten Stimmung, wenn der Bund für’s Leben geschlossen wird.
Der Bräutigam zieht mit viel Show und unter dem Applaus und Gejohle seiner Freunde ein, die Braut folgt unter den Klängen von Wagners Brautlied aus Lohengrin. Klavier und Streicher geben ihr Bestes für den nötigen Schmalz. Das Brautpaar steht nun auf der Bühne vor dem gigantischen Rednerpult, wo der Professor des Bräutigams eine Rede mit warmen und mahnenden Worten spricht. Das Brautpaar liest sich gegenseitig geschriebene Briefe vor, gibt sich das JA-Wort, lauscht dem Gesang eines Chors von Freundinnen und Freunden, verneigt sich vor den Eltern bzw. Schwiegereltern und das war’s.
Anschließend geht es in den Speisesaal, wo ein Viertel der Gäste schon eifrig am Spachteln ist, da sie die Zeremonie schon frühzeitig verlassen haben. Jeder hat da seine Prioritäten. Das Essen wird serviert, bald erscheint das Brautpaar (sie in einem bequemeren Kleid), prostet allen zu, verneigt sich zur Begrüßung vor jedem Tisch und schon ist man beim Nachtisch angekommen.
Kurz nachgerechnet: Hochzeitszeremonie 30 Minuten, Essen 45 Minuten, noch ein wenig mit meinem Betreuer am Tisch quatschen 15 Minuten. Sprich nach 90 Minuten war das Thema Hochzeit für die meisten Gäste erledigt. Kein Wunder, dass mich alle komisch anschauen, wenn ich von dem oftmals abendfüllenden Programm in Deutschland erzähle.
Bleiben noch zwei Dinge: Einladungen und Geschenke. Der erste Punkt ist recht einfach. Es ist jeder eingeladen, der zum Familien- oder Bekanntenkreis gehört. Man verschickt daher nicht unbedingt eine Einladung, sondern sagt einfach bescheid, dass man heiratet. So auch im Falle meines Betreuers. Ein Telefonanruf „Ich heirate“ – „Ok, alles klar. Wann und wo?“ und die Sache war geritzt. Bei den Geschenken hat man in meinen Augen eine recht praktikable Lösung gefunden, wenn ich bedenke wie schwer es doch ist, dass passende Geschenk auszusuchen. Außerdem will man dem Brautpaar ja keine Wagenladung mit Badetüchern zumuten. Daher gibt es am Eingang zum Hochzeitssaal einen Tresen wo jeder Gast einen mit seinem Namen versehenen Briefumschlag inklusive Geld als Inhalt abgeben darf. Dies ist auch in diesem Sinne ziemlich praktisch, da so eine Hochzeit aufgrund der geradezu gigantischen Gästezahl wahnsinnig teuer ist. Und es gehört zum guten Ton alle Gäste (selbst mich) zu bewirten.


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