Kommentar: Heiraten in Korea

Veröffentlicht von Jan van den Hurk am

Mir sei noch ein Kommentar zum Thema Heiraten in Korea erlaubt. Diese wenig andächtige Gestaltung der Hochzeitsfeierlichkeiten passt wie Faust aufs Auge zu diesem Land. Gerade wenn ich in Seoul unterwegs bin, fällt mir oft der Werbespruch der CitiBank ein: „The City never sleeps …“. Alles ist rastlos, alles geht in Eile und Hetze – und vielleicht auch darin unter. Kein Wunder, dass die Koreaner mit Freude das Wort „Stress“ in ihren Wortschatz übernommen haben.
Eine Gesellschaft, die einen so schnellen (nicht nur wirtschaftlichen) Wandel durchlebt, kommt nicht ungeschoren davon. Die Koreaner entdecken neue Werte und versuchen diese möglichst widerspruchslos neben den traditionellen Werten zu etablieren. Harmonie ist hier ein hohes Gut, aber es gibt Widersprüche, die gelöst werden müssen und nicht für lange Zeit einfach bestehen bleiben können. Zum Beispiel wächst das Verlangen nach individueller und persönlicher Zufriedenheit stetig an, was aber eventuell den Ansprüchen und Erwartungen der Eltern entgegen steht. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung wird aber gegenüber den Eltern in Korea nicht artikuliert und so gleicht die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern oftmals einer Einbahnstraße. „Ja Mama, Ja Papa“ und gleichzeitig ballt das Kind die Faust in der Tasche.

Noch ein paar Kleinigkeiten zum Thema:
– Das Heiratsalter stetig an. Der Schnitt liegt bei 27,3 Jahren für Frauen bzw. 30,1 Jahren für Männer.
– 47,4 % der Ehen werden geschieden (Spitzenreiter USA mit 51 %)
– Korea hat eine extrem niedrige Geburtenrate von 1,17 (2002) und erfuhr eine Verdreifachung der Lebenserwartung in den letzten 100 Jahren
– Es ist daher nicht verwunderlich, dass Koreas Bevölkerung weltweit am schnellsten altert. Während z.B. Frankreich 115 Jahre brauchte um seinen Anteil an über 65-jährigen auf 14% zu verdoppeln, wird Korea hier nur 19 Jahre brauchen.
– Das Frauenbild hat sich stark gewandelt und enthält nun aufgrund der sehr guten Ausbildung junger Frauen neben den Qualitäten als Hausfrau, Mutter und Pflegeassistentin für die Schwiegereltern auch den Wunsch nach einer beruflichen Laufbahn
– Unterstützung, wenn eine Frau Familie und Beruf unter einen Hut bringen will gibt es eher wenig. Weder von Seiten des Staates noch von Seiten der Ehemänner. Wenn man Glück hat, gibt es eine Oma, die sich um die Kinder kümmern kann.

Korea steht also vor einer gewaltigen Aufgabe, um den Wandel seiner ehemals konfuzianischen Gesellschaft zu meistern.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.