Machtbarkeitsstudie zur RWTH CampusBahn

Veröffentlicht von Jan van den Hurk am

RWTH Campus Melaten - ÜbersichtGroßes hat die RWTH vor und stellt die Weichen zur Erweiterung der Hochschule. Nicht nur in der Innenstadt verändert sich das Gesicht der Hochschule, sondern auch an vielen anderen Orten wird eifrig gebaut. Doch die wegweisenden Zukunftspläne des Rektorats haben eine noch viel größere Dimension als die derzeitigen Neubauten. Stichwort: Die RWTH soll eine Campus-Uni werden. Der Bebauungsplan für den neuen Campus in Melaten wurde erst kürzlich von einer breiten Öffentlichkeit diskutiert und auch der angedachte Campus am Westbahnhof steht in den Startlöchern. Das wird wohl weniger ein beschaulicher Innenhof als vielmehr ein wahrer Wissenspark in der selbsternannten Stadt der Wissenschaft.
270000 Quadratmeter und 10000 neue Beschäftigte sind die Zahlen des Tages wenn es um die erste Erweiterung in Melaten geht. Und wenn man den Worten von Professor Schuh Glauben schenken darf, ist nicht Salamitaktik angesagt sondern „ganz oder gar nicht“.
Bei aller Euphorie bleiben kritische Stimmen nicht aus und während einige direkt einen ganz anderen Standort vorschlagen (was soll die RWTH um Gottes Willen mit einem Erweiterungsgelände im Aachener Osten???), machen sich andere wohl mit recht Sorgen um die zugehörigen Belastungen eines solch großen Ausbaus der Hochschule. Wie wird sich z.B. der Verkehr an dem stark erweiterten Standort und zwischen den Standorten entwickeln?
Es klingt nach dem alltäglichen Cliché, dass die Ratsfraktion der Grünen über einen automatische Schienenanbindung zwischen dem Innenstadtbereich und dem Erweiterungsgebiet Melaten der RWTH nachgedacht und daraufhin eine Machbarkeitsstudie bei der Verwaltung im Auftrag gegeben hat. Es lebe die Öko-Fahrrad-ÖPNV-Partei. Aber ich bin mir sicher, bei vielen Studenten schwirrte so eine Verbindung schon länger in den Köpfen. Endlich auf direktem Weg von Vorlesung zu Vorlesung. Kein Gegurke mehr durch Wohngebiete, wo eh kaum eine Seele zu steigt. Oder nach dem letzten Handschlag an der Messreihe für die Diplomarbeit ohne halbstündige Wartezeit zum Feierabendbier in die Innenstadt. Und das auch noch am späten Abend!
modifizierter Plan RWTH CampusBahn
Die Verwaltung der Stadt Aachen hat zu dem Ratsantrag eine Karte veröffentlicht, wo die angedachte Strecke und mögliche Stationen in Rot eingezeichnet sind. Man sieht quasi einen Angelhaken der sich von der Schinkelstraße über den Westbahnhof Richtung Melaten und Klinikum biegt. In meinen Augen die Erfüllung vieler Pendlerträume. Ich sehe nur einige wenige Punkte, die vielleicht besser sein könnten:

  • – Zweiter Haltepunkte in Melaten
  • – Anbindung der Hochschuleinrichtungen auf der Hörn
  • – Anbindung des Hochschulsportzentrums

Der erste Punkt beruht auf meinen Eindruck, dass an dieser Stelle ein Haltepunkt in Melaten zu wenig wäre. Schaut man sich die derzeitige Bushaltestellendichte und deren Benutzung an, scheint dieser Eindruck nicht unrealistisch zu sein. Die beiden letzten Punkte kann man nachvollziehen, wenn man die Buslinien 3, 33 15, 65, 75 nutzt. Nicht nur in den Stoßzeiten während des Vorlesungsbetriebs werden die Haltestellen Halifaxstraße und Mies-van-der-Rohe-Straße sehr gut angenommen. Dies führt mitunter dazu, dass sich die Leute in den Bussen bis hierhin oder ab hier stapeln. Ich habe mal ganz forsch eine Stichstrecke und einen Haltepunkt hinter der ehemaligen PH in giftgrün eingezeichnet.
H-Bahn-Kabine in DortmundBleibt also noch die Frage nach dem Verkehrssystem der Wahl. Heute war bei SPIEGEL ONLINE zu lesen, dass Nürnberg eine vollautomatische U-Bahn in Betrieb genommen hat, die auch gemischt mit konventionellem Verkehr fahren kann. Warum also keine automatische Straßenbahn, die kontrolliert von einer Betriebszentrale die Haltestellen bedient!? Eine schicke Alternative wäre dann auch die H-Bahn, die seit 1984 problemlos bei der Uni Dortmund in Betrieb ist. An einem aufgeständerten Träger „schweben“ die Kabinen über Mensch und Landschaft. In einer Kernzeit verbinden die Kabinen im 5- bis 10-Minuten-Takt Nord-, Südcampus und Technologiepark miteinander. In den Tagesrandstunden gibt es einen Rufbetrieb: Auf Knopfdruck fährt eine Kabine an der Station vor und bringt den Passagier zur gewünschten Zielstation. Tolle Sache!
Ich bin mal gespannt, wie sich die Sache entwickelt und was die Machbarkeitsstudie im September 2008 an Ergebnissen bringt.


4 Kommentare

Torsten Kammer · 17.12.2008 um 23:22

Eine sehr interessante Sache. Leider tauchen bei einer Google-Suche keine Informationen auf die nicht auch hier stehen, daher die direkte Frage: Ist denn die Machbarkeitsstudie schon gelaufen, und wenn ja, sind die Ergebnisse irgendwo verfügbar?

Die Anbindung an die Hörn ist auf jeden Fall eine gute Idee, aber ich weiß nicht ob sie so am sinnvollsten ist. Wenn man wirklich eine Stadt- bzw. Straßenbahn nehmen würde (was ich für am sinnvollsten halte), dann wird der rechte Winkel über die Gleisanlagen, egal wie man es dreht, zu einer Herausforderung, da z.B. eine Brücke sehr steile Rampen benötigen würde. Falls die Höchstgeschwindigkeit der Bahn hoch genug wäre, wäre es vielleicht ein Gedanke, die Linie von der Uniklink wieder zur Hörn, als Straßenbahn ungefähr entlang dem jetzigen Verlauf der Linie 33, zu führen. Optimal ist das natürlich nicht, einerseits wegen der Überquerung der Schnellstraße, andererseits wegen der längeren Fahrzeiten besonders falls weitere Stationen hinzukommen, aber es hätte den Vorteil dass man sich bei der Organisation auf eine Linie beschränken könnte.

jvdhurk · 18.12.2008 um 12:37

Hallo Torsten,

Laut einer Pressemitteilung von http://www.aachen.de wurden die EU-Mittel für die Machbarkeitsstudie gerade genehmigt. Eine Nachfrage bei den Grünen per email ergab, dass jetzt die Studie ausgeschrieben wird, in einem halben Jahr die Vergabe ist und dann etwas Ende 2009 die Ergebnisse da sein könnten. Es dauer also ein wenig.
Zur Hörn: Ich gebe zu, dass das eine fixe Idee ist und auch nur mit einer H-Bahn realisierbar wäre. Da die Bahn eh schon recht hoch hängt erübrigt sich dann das Problem mit der großen Steigung.
Andererseits gebe ich dir völlig recht, dass eine Stadtbahn eine viel geschicktere Lösung wäre. Selbst wenn die Bahn nicht automatisch fahren würde, halte ich eine Straßenbahn mit Anbindung ins Umland für eine tolle Sache.

Torsten Kammer · 18.12.2008 um 23:03

Ah, vielen Dank für diese umfassenden Informationen!

Die Anbindung der Hörn halte ich selbst auch für sehr wichtig, besonders da ich Informatik-Student bin. Das Problem ist halt nur, dass es, egal aus welcher Richtung man dort hin will, immer irgend etwas gibt was im Weg ist, der Bahnhof im Osten, die Schnellstraße im Norden und Westen, die Montzenroute im Süden…

www.jvdh.de » Blog Archive » RWTH CampusBahn - CDU ist dabei · 12.11.2008 um 10:42

[…] der Grünen. In diesem Ratsantrag beauftragen die Grünen die Aachener Verwaltung mit einer Machbarkeitsstudie bezüglich einer schienengebundenen Verbindung zwischen dem Klinikum und den RWTH Gebäuden in der […]

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