Radfahren in Aachen: Meine Wünsche für die Zukunft.

Veröffentlicht von Jan van den Hurk am

Neben dem Verkehr im Allgemeinen beschäftigt mich seit neuestem das Radfahren in Aachen. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Fahrrad bestieg. Auf ein kleines Dreirad – ich glaube es war orange – über ein Fahrrad mit Stützrädern folgte die große Freiheit auf zwei Rädern. Auf dem asphaltierten Hof einer ehemaligen Schule meines heimatlichen linken unteren Niederrheins wurden die Stützräder ganz hoch geschraubt und es ging leicht schlingernd im Kreis herum. Fahrradfahren wurde Alltag und stand gleichberechtigt neben Schulbus oder Taxi Mama/Papa.

Back to the roots

Im April 2016 habe ich mich nach einer längeren Fahrradabstinenz für einen Schritt „back to the roots“ entschieden. Ich kaufte mir ein Pedelec (meine niederrheinische Verwandtschaft würde „Fuddelfiets“ sagen) und schon wurde ich vom Busfahrer zum Fahrradpendler. Der Weg zur Arbeit, in den Garten, zum Einkaufen… Alles was schnell gehen soll, erledige ich jetzt mit dem Fahrrad. Stand heute (Mitte Januar 2017) liegen bereits über 2500 km hinter mir. Ich genieße es sehr wieder näher an der Natur zu sein, den Gang der Jahreszeiten zu erleben, die Stadt nicht durch eine Glasscheibe, sondern unmittelbar zu erleben. Die jeweils 20 Minuten Fahrt tun mir auch sonst gut. Morgens erscheine ich wach bei der Arbeit und am Nachmittag kann der letzte Rest Arbeit auf dem Heimweg einfach weggestrampelt werden. Dank „Fuddelfiets“ mit mal mehr oder weniger Schweiß.

Doch das Projekt „back to the roots“ hat einen Haken. Das Radfahren fühlt sich irgendwie anders an. Klar ich bin älter geworden, aber das Radfahren habe ich sprichwörtlich nicht verlernt und das Pedelec erhöht durch die Unterstützung bis maximal 25 km/h den Spaßfaktor enorm. Irgendwas ist im Vergleich zwischen der neuen Heimat Aachen und der alten Heimat Niederrhein deutlich anders. Ich beginne erst langsam zu begreifen, was für mich der wesentliche Unterschied beim Radfahren in Aachen vs. Niederrhein ist. Vorweg: Die Stadtgröße ist es nicht, denn auch am Niederrhein gab es damals Straßenabschnitte, die stark befahren wurden.

Was lief am Niederrhein anders?

Wenn ich vor meinem geistigen Auge meinen damaligen Schulwege und meinen heutigen Arbeitsweg übereinanderlege, dann ist der Unterschied glasklar: Die Infrastruktur für Fahrräder. Nun war die Radinfrastruktur am Niederrhein noch meilenweit entfernt von den paradiesischen Zuständen in den Niederlanden, aber ich habe mich eigentlich zu jeder Zeit beim Radfahren sicher gefühlt. Auf dem kombinierten Fußgänger-/Radweg entlang der viel befahrenen Landstraße und auch auf dem separaten Radweg in der Kreisstadt. Der entscheidende Punkt war in meinen Augen, dass ich genügend Abstand zu den anderen Verkehrsarten hatte. Zu den Autos auf der Straße und mangels Masse auch zu den Fußgängern.

Das Radfahren in Aachen sieht ganz anders aus. Viele Radwege sind viel zu schmal, in einem miserablen Zustand und oftmals gar nicht erkennbar. Das führt schnell zu Konkurrenz und Stress mit den Fußgängern. Fahrräder sollen nicht nur in Tempo-30-Zonen auf der Straße fahren, sondern auch auf Straßen mit mehreren Fahrstreifen bei Tempo 50. Zur Trennung von den Autos werden Radfahrstreifen oder Schutzstreifen auf die Straße gemalt, die ihren Zweck im Alltag überhaupt nicht erfüllen. Die Streifen sind eigentlich immer zu schmal bzw. werden häufig ignoriert.

Meine Wünsche für das Radfahren in Aachen

Wenn ich mir für Aachens nähere Fahrradzukunft ein paar Dinge wünschen dürfte, dann wäre es folgendes:

  • Mehr Tempo-30-Zonen, die auch so schmal gebaut sind, dass dort höchstens Tempo 30 gefahren wird.
  • Breite Fahrradwege, egal ob als markierter Streifen oder als Radweg. 2 m wären meiner Meinung nach ein gutes Standardmaß.
  • Vernünftige Sicherheitsabstände zu anderen Verkehrsarten. Seien es fahrende oder parkende Autos, oder auch Fußgänger.
  • Sicherheitsabstände müssen durch bauliche Maßnahmen „fühlbar“ werden. Eine Fahrbahnmarkierung überfährt man leicht und erst eine bauliche Trennung z.B. mit einem (Flach-)Bordstein schafft deutlich mehr Sicherheit. Übrigens gilt das auch für die Trennung zwischen Fußgängern und Radfahrern.

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